Folge Deinem Gefühl

 

 

Gestern war bei uns so richtig „Strom auf der Tapete„. Bereits die Tage vorher waren für unsere Kinder (und auch für mich) eine besondere Herausforderung, irgendetwas lag in der Luft. Ich möchte Euch nichts beschönigen und ich bin der Meinung, dass eben nicht jeder Tag Friede, Freude, Eierkuchen sein kann. Wir leben schließlich nicht in Pleasantville.

 

Insbesondere in einer großen Familie wie unserer mit vier kleinen Kindern, die im Abstand von nur zwei Jahren (und noch weniger) zur Welt gekommen sind, gibt es auch Tage wie den gestrigen. Tage, die mich zutiefst verletzen, frustrieren, die an meine Belastungsgrenze gehen und an denen ich immer wieder an mir selbst zweifel.

 

Was habe ich nur falsch gemacht?

 

Haben wir unseren Kindern mit so vielen Geschwistern wirklich einen Gefallen getan? 

 

 

 

 

 

Die letzte Nacht lag ich lange wach und habe mich von der einen auf die andere Seite gewälzt. Das Gezanke, ja auch die Handgreiflichkeiten unter den Kindern ließ mich einfach nicht los.

 

Seitdem unser Großer in der Schule ist, hat sich vieles verändert. Er hat sich verändert und auch unser Tagesablauf hat sich verändert. Das ist einfach der Lauf der Dinge. Aus Gesprächen mit anderen Müttern, weiß ich, dass viele Kinder in diesem Alter zwischen 7 und 9 Jahren gerade irgendwo „Dazwischen“ stecken. Sie sind irgendwie noch nicht richtig angekommen und haben zu kämpfen mit der Veränderung zwischen Kindergarten und Grundschule. Sie sind einfach verunsichert, wollen andocken, können es aber nicht.

 

 

Das Gefühl nicht zu wissen was da gerade mit einem passiert, dieses „Groß“ werden, ist schwer zu greifen. Und bis Charlotte in diesem Jahr auch zur Schule kommt, ist unser „Großer“ eben momentan noch der Einzige und auch der Erste, der zur Schule geht und der eben auch schon andere „Pflichten“ hat, die unsere Kindergartenkinder (noch) nicht kennen und auch nicht kennen müssen, so lange sie im Kindergarten sind.

 

Doch für ein Kind fühlt sich das einfach ungerecht an. Gerade „gestern“ war er doch auch noch Teil dieser eingeschworenen Gemeinschaft, die direkt nach dem Kindergarten zu Hause weiterspielten und völlig ohne Verpflichtungen den Tag beendeten. Ohne Schule, ohne Hausaufgaben, ohne „Verpflichtungen“.

 

Warum muss ich denn jetzt noch lernen?

 

Warum müssen die anderen keine Hausaufgaben machen?

 

Die wissen gar nicht wie gut sie es haben. 

 

Irgendwo Feststecken zwischen Kleinkind und Heranwachsendem ist nicht leicht. Hier geht es um Emotionen und um Gefühle. Jeder Mensch empfindet und fühlt anders.

 

 

Und jeder Mensch ist wichtig. Und auch seine Gefühle sind wichtig. 

 

 

Streit ist dabei gar nicht falsch. Er ist sogar ganz genau richtig und wichtig. Auch wenn er nicht schön ist, Streit ist Mittel zum Zweck. Streit ist nötig für die eigene Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern. Streit anzetteln kann auch ein Hilferuf von Kindern sein. Kinder, die sich vielleicht gerade einfach zu wenig beachtet fühlen, die sich missverstanden und alleine fühlen.

 

Streiten, um auch mal wieder im Mittelpunkt stehen zu dürfen.

 

Das was wir als Eltern oder Mütter nur häufig falsch machen, ist das wir aufgrund von blank liegenden Nerven (verständlicherweise) die Streitenden trennen, dazwischen gehen, versuchen zu schlichten, dadurch aber vieles „verschlimmbessern“.

 

Wichtig ist es den Streitenden Regeln mit an die Hand zu geben und sie dann aber auch (aus-)streiten zu lassen. Am Streit wachsen und streiten lernen. Das ist ein Prozess.

 

Wenn der Streit einmal doch kein Ende finden sollte, können wir versuchen gemeinsam mit den Streitenden Lösungsvorschläge zu finden. Jeder darf seine Perspektive teilen, ohne das er unterbrochen wird und bei der nächsten Auseinandersetzung fällt es den Kindern eventuell schon leichter eine Lösung zu finden.

 

Kinder entscheiden sich für den Weg, der sie glücklich macht. 

 

 

Kinder streiten sich und sind kurze Zeit später wieder unzertrennlich. 

 

 

Heute ist ein neuer Tag, folgt einfach Eurem Gefühl.

 

 

Eure Alexandra

 

2 thoughts on “Was wir aus einem Streit lernen können // Streit unter Kindern ist wichtig”

  1. Sehr schön geschrieben!Wir Mütter lernen nie aus – Thema Streiten u wie wir uns am besten Verhalten sollen – und müssen lernen immer wieder geduldig zu sein bzw wie ich es gerne sage:Mein Zen- Programm wird aufs neue auf Probe gestellt 😀
    Wir waren zu Hause zu sechst und die ersten 4 Kinder auch im 2 Jahresabstand. Es ist was ganz tolles mit vielen Geschwistern aufzuwachsen. Ja, natürlich gibt’s es auch negatives aber das überwiegt niemals das Positive. Deine Kinder haben jetzt schon eine ganz ganz tolle Kindheit und werden wenn es soweit ist sehr gestärkt in die Welt hinaus gehen!!!Jedes Kind so anzunehmen wie es ist und zu stärken dass ist unsere Aufgabe. LG Ana

    1. Liebe Ana,

      das hast Du aber schön gesagt. Dankeschön. Ich glaube auch, dass es genau der richtige Weg ist, den wir eingeschlagen haben.
      Und natürlich ist es nicht immer leicht. Das wäre wohl auch zu langweilig.
      Ich danke für Deinen Kommentar und sende liebe Grüße,
      Alex

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