Erstklässler

Schule schlaucht. Das merke ich jeden Tag an unserem Großen. Seitdem Max Power zur Schule geht, ist er besonders nach der Schule, erst einmal recht still. Er redet kaum, sieht völlig erschöpft aus und braucht einfach seine Ruhe.

 

Gestern habe ich mich besonders geärgert. Geärgert über mich selbst. Rückblickend, über meine Reaktion. Max Power war wie meistens nach der Schule sehr ko und wirkte völlig abgeschlagen. In diesem Moment lasse ich ihn besser in Ruhe und warte, bis er anfängt zu sprechen. Das haben mir die letzten Wochen gelehrt.

 

Ja, der Tag in der Schule ist neben dem Unterricht, in dem die Kinder, anders als im Kindergarten, recht still und konzentriert sitzen müssen, unglaublich aufrengend. Vieles ist noch neu. Neue Freunde, Lehrer als neue Bezugspersonen, eine ganz neue Umgebung.

Als Erstklässler hat man es nicht gerade leicht. Gerade noch der Größte im Kindergarten gewesen, ist man jetzt auf einmal der Neue. Und nicht nur der Neue, auch der Kleine. Der Junge, der noch nicht weiß wie es läuft in der Schule. Zweit- Dritt- und Viertklässler machen gerne ihre Späße mit den Kleinen. Das war ja früher schon so. Aber nicht jedes Kind verpackt diese Neckereien gleich gut. Vielen ist es gleichgültg, sie geben vielleicht sogar Widerworte. Anderen tut es aber weh und verletzt es, wenn einem an der Mütze gezogen und der Kopf dabei leicht nach hinten gedrückt wird. Es bereitet Angst.

 

Der ist immer so wild, Mama.“ „Das macht er nicht nur mit mir.“ Mir als Mama tut der Gedanke auch weh, dass mein Kind von anderen geärgert wird und vielleicht sogar Angst vor diesen Kindern hat. Natürlich spreche ich auch mit der Lehrerin über solche Vorkommnisse. Aber auch Lehrer sind nur Menschen und können nicht überall gleichzeitig sein.

 

Am gestrigen Nachmittag habe ich am Verhalten von Max Power gemerkt, dass er einfach keinen guten Tag hatte. Wir haben uns viel gestritten, er war sehr frech, hat genau das Gegenteil von dem gemacht, was ich gesagt habe. Er hat uns alle provoziert. Er hat seine Geschwister geärgert, die Oma und den Opa. Und je mehr er uns alle geärgert hat, desto mehr haben wir ihn links liegen gelassen. Doch desto größer wurde aber auch seine Wut. Auf sich selbst. Am Ende tat er mir so leid. Ich konnte richtig erkennen wie er in diesem Wut-Kreislauf feststeckte. Alleine kam er dort nicht mehr heraus. Als wir dann wieder zu Hause waren, ist er auf sein Zimmer gegangen. Kurze Zeit später ging ich hinterher, weil ich hörte, dass er weinte. War ich zu streng? Er fiel mir in die Arme und hat sich entschuldigt.

 

Ich bin so frech, Mama. Ich weiß das und das tut mir so leid, aber ich kann einfach nicht anders.“

 

Das glaube ich ihm. Er möchte uns gar nicht ärgern oder verletzen. Er ist ein Erstklässler und muss seine Grenzen austesten, seinen Frust auch irgendwie los werden. Alles ist richtig so wie es ist. Er darf auch frech sein. Das ist sein gutes Recht. Ich habe ihn ganz fest in den Arm genommen, gedrückt und bin minutenlang so mit ihm sitzengeblieben.

 

 

Das tat gut. Uns beiden.

 

Heute ist ein neuer Tag und Jeder Tag ist ein neuer Anfang.

 

Eure Alexandra

 

5 thoughts on “Du darfst auch frech sein – Du bist toll so wie Du bist”

  1. Das hast du sehr schön geschrieben?

    Ach ja das kenne ich auch. Es ist aber auch zu aufregend. So viele neue Eindrücke und das ganze Drumherum in der Schule strengt ja auch an. Und dazu kommt noch, dass die Mäuse jetzt schließlich groß sein möchten. Aber manchmal möchten sie noch klein sein. Und jeder muss erst mal seinen Platz neu finden. In der Klasse, in der OGS und auch in der Familie. Eine harte Zeit für alle Beteiligten.???

    1. Liebe Britta,

      ach das freut mich zu hören. Ja, manchmal ist guter Rat teuer. Und es ist schön zu lesen, dass man mit diesen Situationen nicht alleine ist. Wir tasten uns langsam heran.
      Habt ein schönes Wochenende,
      Alexandra

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