Seit etwa 14 Tagen ist Charlottes erster Zahn (der untere linke Schneidezahn) wackelig. Anfangs war sie sich nicht ganz sicher, schließlich ist es ihr erstes Mal mit Wackelzahn. Wir mussten es alle ausprobieren und ihr dann sagen, ob wir auch glauben, dass der Zahn wackelt. Charlotte hat schon so lange darauf gewartet. Bereits in ihrem letzten Kindergartenjahr gab es ein Mädchen, das ihren ersten Zahn verloren hat – „Warum habe ich denn noch keinen Wackelzahn?„. Schließlich ist es etwas ganz Wichtiges und Großes im Leben eines Kindes. Der Verlust des ersten Wackelzahns, wir alle können uns wohl noch daran erinnern. Wir drehen und drücken und wenden den Zahn, tagelang, bis er dann endlich irgendwann herausfällt.

Gestern Abend, die Kinder waren zwar schon lange im Bett, aber dank der Zeitumstellung eigentlich noch gar nicht richtig müde, rief Charlotte uns dann alle ganz aufgeregt. „Er ist raus, endlich, Mama, mein Zahn ist rausgefallen.„. Der große Bruder, der bereits acht Zähne verloren hat, schien eher unbeeindruckt, gratulierte aber trotzdem, schließlich ist es ein ganz „großer Moment“. Wir drückten unsere Charlotte, gratulierten ihr und der Mann sagte ganz wie selbstverständlich: „Jetzt bist Du `ne Große.“ Aber hey, echt jetzt? Für mich als Mama war das gestern eigentlich eher mal wieder ein Moment für die Kategorie: ich will nicht, dass mein Baby so schnell groß wird (warum gehen Männer eigentlich mit solchen Themen viel pragmatischer um als wir Frauen??? – anderes Thema).

Noch gar nicht lange her, da fielen die ersten Zähen beim Bruder aus und ganz tatsächlich, als hätte sich ein (der) Schalter umgelegt, begann für ihn die „Wackelzahnpubertät„. Ehrlichgesagt hatte ich vor gut 2 Jahren noch kein einziges Mal dieses Wort gehört, bis ich mich mit einer anderen Mutter in der damaligen ersten Klasse unseres Sohnes unterhielt und ihr „mein Leid klagte“.

Er ist irgendwie total anders, so unausgeglichen. Irgendwie erkenne ich ihn gar nicht mehr wieder. Total anstrengend und er weiß einfach nicht was er will. Das was gestern noch total aufregend und cool war, ist heute schon völlig langweilig und albern. Außerdem ist er jetzt oft so gemein zu seinen Geschwistern. Das kenne ich gar nicht.

Ich dachte anfangs viel zu weit. Ist es vielleicht die Schule? Oder hat er Streit mit den Mitschülern? Fühlt er sich unwohl, hat er vielleicht Sorgen? Dann erkannte die Mutter des Freundes direkt: „Klingt für mich total nach Wackelzahnpubertät. Schon mal gehört?

Nein, das hatte ich nun wirklich noch nicht gehört. Wackelzahnpubertät. Was es alles gibt. Zunächst stempelte ich dieses Gespräch als „nettes Gespräch“ ab, aber an so einen Hokus Pokus glaube ich echt nicht.

Doch es ist wahr. Spätestens nach dem Buch „Wackeln die Zähne – wackelt die Seele“ (klick)* (Achtung Werbung, aber von Herzen eine gute Kaufempfehlung) begegne ich unseren Kindern mit etwas mehr Verständnis für ihre Wutausbrüche und seltsamen Veränderungen und Vorlieben in dieser Zeit. Sie durchleben gerade einen tiefen Entwicklungsschritt und dieser stellt sie nicht selten vor eine Zerreißprobe.

Spätestens die Gespräche am Ende eines Tages mit unserem Sohn haben mich dann immer wieder versöhnt, wenn er leise schluchzend im Bett beichtete, auch nicht zu wissen, warum er sich gerade so verhält. Er will das eigentlich gar nicht und es tut ihm alles schrecklich leid. Ja, herzzerreißend für eine Mama, aber sie sind nicht alleine.

Völlig verständlich eigentlich. Es passiert so viel mit und in dem kleinen Körper. Der Körper verändert sich, die Kinder wachsen nicht nur, die Proportionen am Körper werden anders. Gerade zu Beginn der Wackelzahnpubertät sind die Kinder durch die Einschulung wieder einer völlig neuen Aufgabe gegenübergestellt. Sie lernen neue Freunde und ihre Lehrer kennen. Sie müssen auf einmal für eine zeitlang in der Schule still sitzen, sie müssen zuhören und sich dabei auch noch viel zu viele Dinge merken. All diese Einflüsse, innerlich sowie äußerlich, können und dürfen dann schon einmal zum Wutausbruch führen.

Wie ich dem Ganzen begegne? So ruhig wie möglich. Ich lasse sie sich erst austoben und ausschreien, wenn sie es zulassen, nehme ich die Kinder dann gerne in den Arm und drücke sie ganz fest an mich. Oftmals brechen dann schon die Dämme und die Tränen laufen. Gerne höre ich ihnen dann auch einfach nur zu oder lasse sie in Ruhe. Ganz so wie sie es möchten.

Alles ist nur eine Phase“ ist in diesem Fall tatsächlich kein blöder Spruch. Beim Großen haben wir sie bereits überstanden, die „Wackelzahnpubertät“ und warten gespannt auf die nächste „vorpubertäre“ Phase (die bestimmt nicht mehr lange auf sich warten lässt, was ;-)?).

Erzählt mir doch bitte gerne von Euren eigenen Erfahrungen und der Wackelzahnpubertät. War es sehr schlimm oder habt Ihr sie etwa gar nicht bemerkt?

Eure Alexandra

*Affiliate-Link




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.