Lernen mit Kopf, Herz und Hand

 

Versprochen ist versprochen. Ich wollte Euch ja regelmäßig auf dem Laufenden halten und Euch weiterhin immer mal kleine Einblick in unser Waldorf-Schulleben geben. Was ist nach den Herbstferien schon alles passiert? Wie weit ist Charlotte in der 1. Klasse und was haben die Drittklässler nach den Herbstferien bereits gelernt?

 

Fangen wir mit dem an, was mich am meisten fasziniert und begeistert. Die verschiedenen Epochen in den unterschiedlichen Klassen können auch schon einmal „Praxis-Epochen“ sein und genau darum hat sich in den letzten Wochen in der 3. Klasse alles gedreht.

 

 

 

 

Unser Großer und seine Klasse haben gerade die Handwerk-Epoche so gut wie abgeschlossen (ein kleiner Ausflug folgt noch in der nächsten Woche zur Innung), so dass es sich jetzt anbietet Euch davon zu erzählen. In der Handwerk-Epoche haben die Kinder die verschiedensten Zünfte, Gewerke und Handwerke nicht nur kennengelernt, sie durften sie sogar selbst ausprobieren.

 

 

Für mich war es einfach unglaublich, was die Kinder in der Zeit alles gelernt, gesehen und erarbeitet haben. Wieviel Leidenschaft für ein Handwerk übergesprungen ist, so viel Liebe und Geschick, mit dem die Kinder die unterschiedlichen Gewerke ausprobieren und kennenlernen durften. Das gibt es wirklich kein zweites Mal. Bewundernswert. Ich erstelle Euch jetzt erst einmal eine kleine Liste, welche Gewerke die Kinder alle kennenlernen durften:

 

  • Bio-Bäcker
  • Bürstenmacher
  • Maler
  • Schmiede
  • Schreinerei
  • Optiker
  • Goldschmied
  • Hörakkustiker
  • KFZ-Mechaniker
  • Papierherstellung
  • und bestimmt noch Weiteres was mir jetzt auf die Schnelle nicht mehr einfällt

 

Besonders toll fanden die Kinder den Ausflug zum Bio-Bäcker, bei dem sie nicht nur in die Backstube reinschnuppern durften und zahlreiche Mühlen und Körner kennengelernt haben. Sie durften ihr eigenes Brot backen und mit nach Hause nehmen. Das haben wir dann direkt am Abend gegessen und ich habe gemerkt, wie stolz Maximilian war als wir natürlich gesagt haben, wie gut uns sein selbst gebackenes Brot schmeckt. Die Wertschätzung ist einfach eine ganz andere für Lebensmittel, wenn Kinder in den Prozess der Herstellung mit einbezogen werden.

 

 

 

 

Am gleichen Tag durften die Kinder das Atelier einer Bürstenmanukfaktur besuchen, die es bereits seit vielen Jahrzehnten gibt. Ihnen wurde alles vom Handwerk erklärt und gezeigt, die Kinder durften alles anfassen und haben den Unterschied zwischen Bürsten für den Körper, für Schuhe, für den Haushalt und vieles mehr kennengelernt. So viele Dinge wurden dort hergestellt, angefangen bei Zahnbürsten, über Haarbürsten, Kleiderbürsten, Barbierpinsel und vieles vieles mehr.

 

Falls Ihr Euch fragt was in dieser mit den Hausaufgaben ist, möchte ich Euch auch diese Frage beantworten. Natürlich gibt auch in solchen Epochen Hausaufgaben und nicht jeder Tag ist ein Ausflugstag. Die Kinder sollten z.B. zu Hause Aufsätze über die Ausflüge verfassen oder auch die Backstube malen und es wurden die wichtigsten Maschinen, Werkzeuge etc. in den Hausaufgabenheften festgehalten. Außerdem wurde vor jedem Besuch eines neuen Handwerks das jeweilige Zunftzeichen erklärt und ins Hausaufgabenheft gemalt.

 

Ganz toll war auch der Besuch eines Malermeisters in den Klasse. Der Vater einer Mitschülerin ist selbständiger Malermeister und hat sich an zwei Tagen die Zeit genommen mit den Kindern der 3. Klassen den Klassenraum neu zu streichen. Dazu gehörte natürlich auch zunächst die überflüssigen Löcher an den Wänden zu verputzen und alles abzukleben. Ich glaube die Kinder begegnen ihrem Klassenraum jetzt auf eine ganz andere Weise. Sie gehen viel sorgsamer mit ihm um, weil sie wissen wieviel Arbeit dahinter steckt den Klassenraum so wunderschön zu renovieren.

 

Ich könnte jetzt noch so viel weiter erzählen, von dem Hörtest beim Hörakkustiker oder dem tollen selbstgeschmiedeten Fingerring der Kinder. Oder vom Besuch in der Schreinerei und dem selbst geschreinertem Metermaß. Aber das würde wohl den Rahmen sprengen.

 

Und was ich eigentlich nur sagen wollte ist, dass gerade solche Praxisepochen in denen die Kinder vielleicht nicht ganz so viel theoretisch lernen wie sonst (auch das sei dahingestellt) unglaublich wichtig sind und das ist, was Waldorfschule ausmacht. Die Kinder bekommen trotzdem den Lernstoff vermittelt, den andere Kinder in der 3. Klasse lernen. Auch ohne Druck. Das funktioniert und für mich gibt es kein besseres Lernen.

Das ist wirklich Lernen mit Kopf, Herz und Hand. 

 

 

Seit gestern hat eine Rechenepoche begonnen. Die Kindern lernen jetzt in den nächsten Wochen bis Weihnachten Rechnen mit Sachaufgaben.

 

 

Lernfortschritte der 1. Klasse

 

Charlotte hatte gestern ein richtiges Strahlen in den Augen. „Ab morgen beginnt die „Rechenepoche“. Sie freut sich schon sehr, jetzt endlich auch einmal mit den Zahlen zu arbeiten. Bisher hatten die Kinder nur die Schreibepoche. Sie lernten zahlreiche Buchstaben kennen (noch lange nicht alle) und lernten sie auch zu schreiben. Bisher nur Großbuchstaben, aber ich merke im Alltag, wie Charlotte die Buchstaben, die sie bereits kennengelernt hat, auch anwendet und verbindet. Für einzelne Wörter reicht es bereits, aber mehr noch nicht. Das ist auch gar nicht schlimm. Die Kinder in der 1. Klasse hören noch sehr viele Geschichten, sie tanzen und turnen und lernen viel spielerischer als auf staatlichen Schulen.

 

 

 

 

 

 

Außerdem hatte Charlotte bereits Englisch, Religion, Musik, Eurythmie und Handarbeit. Im Fach Handarbeit haben die Kinder mit dem Stricken begonnen. Sie haben sich ihre Stricknadeln zunächst selbst „erarbeitet“. Die Kinder durften die Stricknadeln noch glatt schmirgeln und sich dann die Wolle zum Stricken aussuchen. Das macht Charlotte großen Spaß. Außerdem ist der Musikunterricht ein großes Highlight. Neben dem Singen, was wahrscheinlich auch allen Kindern gleichermaßen Spaß macht, haben die Kinder mit der pentatonischen Choroi-Flöte begonnen.

 

Allmählich geht es mit schnellen Schritten auf den Advent zu, der bei uns an der Schule durch den großen Adventsbasar am 01. Dezember 2018 eingeläutet wird. Alle Schüler, Klassen, Lehrer und Eltern sind eingebunden mit Basteln, Backen und Vielem mehr. Das ist anders als an staatlichen Schulen. Die Zeit, die wir uns als Eltern mit einbringen ins Schulleben ist nicht zu verachten, aber ich finde es unglaublich wichtig, dass die Kinder merken, auch die Eltern sind Teil unserer Schule und helfen mit.

 

Eure Alexandra

 

 

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