Gestern wurde mir wieder einmal ganz klar vor Augen gehalten, warum ich stolz bin und warum wir mit unseren vier Kindern alles richtig gemacht und warum wir genau den richtigen Weg eingeschlagen haben. Glaubt mir, ich weiß wovon ich spreche. Als Einzelkind groß zu werden hat bestimmt auch seine Vorteile, die will ich gar nicht leugnen (Futterneid kenne ich z.B. gar nicht 😉 und ja, natürlich musste ich keine alten Anziehsachen auftragen), aber fragt mich mal, wie blöd es war, wenn eben am Nachmittag keiner Zeit hatte von meinen Freunden und ich zum x-ten Mal Ronja Räubertochter auf Kassette abgespielt und alleine die Memory-Karten ausgeteilt habe. Oder wenn ich mich mit meinen Eltern gezofft habe und keiner in meinem Zimmer gewartet hat, der meinen eigenen Standpunkt vertreten und mir recht gegeben hat.

Ihr lieben Mehrfach-Mamis. Ich weiß, dass die ständigen Reibereien und das Rumgezicke unter Geschwisterkindern manchmal echt nerven können und wir uns fragen, „warum nur müsst ihr euch nur ständig gegenseitig ärgern?“. Aber egal wie oft sich Eure Kinder in den Haaren haben und sie sich gegenseitig verpetzen. Ganz ehrlich, wenn „die Kacke am Dampfen ist“ stehen unsere doch Kinder zusammen. Oder? Sie halten ganz fest zusammen getreu dem Motto:

Einer für alle und alle für einen.

Und genau das ist doch das was zählt. Das ist eine Liebe, die wir Einzelkinder nie kennenlernen durften. Und diese Liebe ist etwas ganz Besonderes.

Nun zu meiner Story.

Charlotte freut sich bereits seit Monaten auf einen Ausflug in den Süden Deutschlands, den wir beide zu zweit am Freitag antreten wollten. Nur wir zwei. Sie und ich. Exklusiv-Zeit mit Mama, inklusive und das war natürlich das Highlight, zwei Übernachtungen bei ihrer liebsten Tante und der Familie, die eben weil sie so weit weg wohnt, ganz arg vermisst wird. Aber wie das Leben manchmal so spielt, wer weiß warum es genau an diesem Wochenende so gekommen ist, wurde uns der gemeinsame Wochenend-Ausflug aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig abgesagt. Bumm, das war ein Schock. Und als ich die Nachricht bekam, musste ich erst einmal eine Nacht darüber schlafen, bevor ich es Charlotte erzählen konnte. Es ging einfach noch nicht. Erst einmal musste ich diese Nachricht sacken lassen und mein taktisches Vorgehen durchdenken.

Mir war klar, wie sehr sie sich auf diese Tage gefreut hat. Seit ein paar Wochen hat sie sogar Strichliste geführt, wieviele Tage es noch sind bis zur Abfahrt. Ein weiteres Highlight war für sie die Zugfahrt, die uns bevorstand. Außerdem hatte sie schon Anfang der Woche im Erzählkreis ihrer Schule ihren Mitschülern und der Klassenlehrerin berichtet, dass wir das Wochenende verreisen und ihre Tante besuchen wollen. Und dann, von jetzt auf gleich, zerplatzt diese Seifenblase mit einem Mal. Natürlich wissen wir es als Erwachsene besser, es kann schließlich immer einmal etwas dazwischen kommen. Man könnte ja auch selbst krank werden und zu viele Enttäuschungen haben wir als Große bereits miterlebt, als das wir diese Möglichkeit nicht kennen würden. Aber für ein 6-jähriges Mädchen bricht in dem Moment eine kleine Welt zusammen. Da kannst Du als Mama noch so oft sagen: Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben oder Alles hat immer einen Grund warum es passiert. Wen interessiert das denn? Glaubt Ihr das will jemand hören? Nein, das interessiert ein 6-jähriges Mädchen doch mal gar nicht.

Für sie ist das einfach nur ungerecht, sie ist sauer, wütend, traurig und verletzt zugleich. Und das natürlich völlig zurecht.

Darum habe ich mir noch unsere liebe Oma an die Seite geholt, die Geschwister waren ebenfalls da und wir haben Charlotte einfach die Wahrheit gesagt. Krankheiten können, insbesondere bei kleinen Kindern, einfach dazwischen kommen. Ich habe sie ganz fest in den Arm genommen und bereits als ich den ersten Satz noch nicht ganz zu Ende gesprochen hatte: „Charlotte, ich habe leider keine guten Nachrichten…..“ brach sie in Tränen aus und wusste sofort worum es ging. Das hat mir einfach das Herz zerbrochen. Natürlich mögen viele vielleicht jetzt denken, soooo schlimm ist das doch auch nicht, sie kann ja ein anderes Wochenende hinfahren. Aber glaubt mir, doch es war und ist so schlimm für sie. Die Gründe warum der Ausflug ausfällt haben sie natürlich erst einmal gar nicht interessiert. Sie hat einfach nur geweint. Und dann kam ihre kleine Schwester Theresa. Theresa hat, wie ihr ja bestimmt noch wisst, nicht nur einen ganz stark ausgepägten Bewegungsdrang, sie ist hibbelig, kribbelig und immer in Action, aber was sie noch hat ist die tollste Seele, die ich kenne. Sie spürt sofort, wenn jemand in Not ist, wenn es einem von uns schlecht geht und jemand Trost braucht. Sie ist sofort zur Stelle. Immer die erste, die Trost spendet, ihren Arm öffnet und verzichtet.

Sie hat ihre große Schwester in den Arm genommen und einfach nur festgehalten. Sie hat ihr das wohl größte Geschenk und Angebot gemacht, das man sich vorstellen kann. Auch sie darf an diesem Wochenende bei ihrer Patentante übernachten und auch für sie ist diese Übernachtung etwas ganz ganz Tolles und Besonderes. Trotzdem wollte sie für ihre Schwester darauf verzichten.

Sie sagte: „Charlotte, ich möchte nicht, dass du so traurig bist. Wenn Du möchtest, dann schläfst du einfach bei Ina. Oder wir können beide bei Ina schlafen.

Sie würde verzichten für ihre Schwester. Nur, damit es Charlotte besser geht. Das muss man erst mal mit vier Jahren schaffen. So einen Charakter musst Du erst einmal haben. Mir kamen echt die Tränen. Was für eine Geste. Und sie sagt so viel über diesen kleinen Wahnsinns-Menschen und über Geschwisterliebe aus. Die vier können sich glücklich schätzen sich zu haben.

Egal wie die Geschichte jetzt ausgeht. Wir werden unserer Charlotte ein ganz ganz tolles Wochenende zu Hause organisieren und in ein paar Wochen holen wir unser Stuttgart-Wochenende einfach nach.

Eure Alexandra





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