Familylife

 

 

Nicht selten werde ich gefragt, wie unsere Morgenroutine mit vier Kindern, davon derzeit drei im Kindergarten und ein Schulkind, aussieht und auf welche Weise wir unsere Kinder morgens in den Tag schicken. Vorab muss ich dazu sagen, dass der Liebste relativ weit weg arbeitet und morgens pünktlich das Haus verlassen muss, so dass in der Regel das Wegbringen und Abholen der Kinder mir überlassen ist. Ich mache das auch gerne, nur haben wir natürlich mit einem Schulkind auch nicht mehr jegliche Freiheiten, da auch der Große pünktlich zu Schulbeginn in seinem Klassenraum sein muss. Trotzdem oder gerade deswegen versuche ich unseren Kindern, auch schon am Morgen, die Ruhe und Zeit mitzugeben, die sie benötigen, um glücklich und zufrieden in den Tag starten zu können.

 

 

Als ich den Großen heute zum ersten Mal, nach der offiziellen Anmeldung auf der neuen Schule, in seinen Klassenraum begleiten durfte (in einer Waldorfschule ist das nicht unüblich, dass die Eltern von Zeit zu Zeit auch einmal mitkommen, um sich die gestalterischen Veränderungen im Klassenzimmer und die derzeitigen Arbeiten der Kinder anzusehen), ist so viel Neues und Positives ins Auge gefallen.

 

 

 

 

 

Wir haben das Schulgelände heute Morgen ca. 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn betreten und wurden nicht nur von den Schülern und anderen Eltern freundlich begrüßt. Vor dem Eingang des Schulgebäudes nahm sich ein Lehrer die Zeit jeden einzelnen Schüler per Handschlag zu begrüßen. Die Kinder stellten sich wie selbstverständlich in aller Ruhe, ohne Hektik in einer Reihe auf und gaben dem Lehrer die Hand. Auch mir gab der Lehrer die Hand, wünschte mir einen Guten Morgen und einen schönen Start in den Tag. Doch es geht noch weiter. Maximilian geht mit mir die Treppen hoch in die erste Etage und stellt sich mit mir und den anderen Kindern zusammen vor den Klassenraum der zweiten Klasse. Kurz darauf kommt die Klassenhelferin (auch das ist auf Waldorfschulen nicht unüblich. Die Klassenlehrerin hat in ihrem Unterricht eine Klassenhelferin zur Seite, die ebenfalls mit im Klassenraum sitzt und die Kinder betreut), schließt den Klassenraum auf, wartet bis sich die Kinder in aller Ruhe und ohne großen Lärm in eine Reihe vor der Tür aufgestellt haben und begrüßt ebenfalls jeden einzelnen Schüler mit Namen und wünscht ihm einen Guten Morgen. Die Kinder und ich betreten den sonnigen Klassenraum, jeder geht in sein Eckchen, spricht noch mit dem Freund oder der Freundin und wartet auf die Klassenlehrerin. Nach Ankunft der Klassenlehrerin wird auch von ihr noch einmal jedes Kind einzeln begrüßt und Kleinigkeiten können besprochen werden. Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl von Hektik, Unterrichtsstress oder unruhigen Kindern. Im Gegenteil. Die Kinder waren regelrecht leise, sehr freundlich und gut gelaunt. In mir entstand so eine Ruhe und Entspannung, das ich mir sehr gut vorstellen kann, selbst wenn ein paar Minuten des Unterrichts für diese kleinen Rituale „verloren“ gehen, die effektive Zeit, die die Kinder später konzentriert am Unterricht teilnehmen ist wesentlich gehalt- und wertvoller. Denn nur mit gut gelaunten und glücklichen Kindern lässt es sich arbeiten.

 

 

Ich muss gestehen, das hat mich ziemlich beeindruckt. Noch einige Minuten nach meinem kleinen Besuch saß ich im Auto und musste über das, was ich gerade gesehen und gespürt habe, nachdenken. Es hat sich in mir ein wohliges warmes und sicheres Gefühl im Bauch breit gemacht, dass mich in unserer Entscheidung des Schulwechsels wieder einmal bestätigt. Aber auch für zu Hause habe ich ein kleines Päckchen mitgenommen. Dieser Morgen hat mir noch einmal die Wichtigkeit von Ruhe und Zeit, die wir den Kindern schenken können, aufgezeigt.

 

Denn:

 

Kinder halten uns nicht von Wichtigerem ab. Sie sind das Wichtigste. 

 

 

Zu oft kommt automatisch bei uns am Morgen eine gewisse Hektik und daraus resultierender Stress zum Vorschein. Ich merke selber, dass das Auftreten von Hektik und auf die Uhr schauen, bei den Kindern noch einmal mehr für Unruhe sorgt und gerade bei kleineren Kindern zum kompletten Stillstand führen kann. Sobald z.B. unsere Theresa das Gefühl hat, sie soll sich beeilen oder wir ihr am Morgen nicht die Zeit geben, die sie benötigt, um sich in Ruhe die Haare zu kämmen, doch noch ein anderes Klämmerchen zu nehmen oder noch einmal in Ruhe mit der Puppe zu schmusen, dann blockiert sie total. Und wisst Ihr was. Sie hat recht. Es ist ihr gutes Recht. Denn was soll schon wichtiger sein, als die Zeit, die wir mit unseren Kindern verbringen können. Genau dafür wollten wir doch Kinder. Und auch wenn einem der Alltag im Nacken sitzt und Termine an Termine den Tag bestimmen wollen, sollten wir uns doch wieder besinnen und daran denken, dass Kinder Eltern brauchen, die für sie da sind, zu jeder Zeit und die Ruhe ausstrahlen, Gelassenheit und auch Sicherheit.

 

Erziehung ist Beispiel und Liebe – Sonst nichts. 

 

 

 

 

Eure Alexandra

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