Der größte Fehler, den Du machen kannst, ist, ständig Angst davor zu haben, einen Fehler zu machen. 

 

 

Ein Anruf gestern Mittag von meinem Vater hat mich für kurze Zeit ganz schön aus der Bahn geworfen. „Er ist nicht hier. Ich stehe jetzt schon seit 30 Minuten vor der Schule, aber er ist nicht gekommen.

 

 

Seitdem Maximilian auf die neue Schule geht, fährt er morgens und mittags mit einem extra Schulbus gemeinsam mit seinen Freunden zum Unterricht. Ich bringe ihn morgens zur Bushaltestelle (keine 500 Meter vom Haus entfernt) und hole ihn vorerst auch noch von der Bushaltestelle am Mittag wieder ab. Doch gestern hatte ich mittags noch einen beruflichen Termin, von dem ich nicht wusste, wie lange er dauert, so dass ich meine Eltern darum gebeten habe, zur Schule zu fahren und Maximilian direkt abzuholen. Der Große hat sich sehr darauf gefreut. Er ist unheimlich gerne bei Oma und Opa und hatte sogar schon Pläne für den Nachmittag dort.

 

 

 

 

Mein erster Gedanke war. Das kann doch eigentlich gar nicht sein. Schau bitte noch einmal in der Schule nach und frage seine Lehrerin. „Doch, er war bis zum Unterrichtsschluss im Klassenraum und ist dann, wie immer, mit seinem Freund aus der Klasse hinaus gegangen.„, teilte uns die Lehrerin mit.

 

 

Die einzige Möglichkeit, die uns dann noch einfiel war, dass er versehentlich doch in den Schulbus gestiegen ist und schlicht und einfach vergessen hatte, dass er abgeholt wird. „Dann sitzt er wohl bereits im Schulbus und ist auf dem Weg nach Hause.„, sagte sie.

 

Nur ich war noch nicht da.

 

Aber eigentlich ja kein Problem. So klein und unselbständig ist er mit seinen 8 Jahren nun wirklich nicht. Er wird bestimmt einfach nach Hause laufen und dort auf mich warten. Darum habe ich mich schnellstmöglich ins Auto gesetzt und bin losgefahren. Auch wenn ich mir ziemlich sicher war, dass Maximilian zu Hause sitzt und auf mich wartet, meine Anspannung ließ sich nicht verleugnen. So eine Situation hatten wir noch nie.

 

 

Gerade zu Hause auf den Hof gefahren, bin ich ausgestiegen und er kam mir sofort in die Arme gelaufen. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Doch er war völlig aufgelöst und unter Tränen klammerte er sich an mich. Meine Güte, wie tat mir das leid.

 

 

Was ist denn passiert? Warum weinst Du denn?

 

 

„Mama, ich habe alles falsch gemacht. Ich habe einen Fehler gemacht.“

 

 

Diese zwei Sätze haben mich so dermaßen getroffen. Mir blieb erst einmal die Luft weg.

 

 

„Entschuldigung: DU HAST DOCH ALLES RICHTIG GEMACHT. DU HAST ÜBERHAUPT KEINEN FEHLER GEMACHT.“

 

Ich habe ihn ganz fest gehalten und an mich gedrückt.

 

Nachdem er sich langsam beruhigte, erzählte er mir, dass er gerade in den Schulbus gestiegen war und ihm dann einfiel, dass Oma und Opa ihn abholen wollten. Da er sich aber nicht getraut hat, den Busfahrer darum zu bitten, noch einmal kurz die Türen zu öffnen, fuhr er mit großen Bauchschmerzen und dem Wissen, dass Oma und Opa vor der Schule auf ihn warten, nach Hause. In seinen Augen war das ein „Fehler“ und ehrlich gesagt war ich geschockt, dass er solche Angst hat, einen Fehler zu machen. Ich habe ihm versucht zu erklären, dass er genau das RICHTIGE gemacht hat. Er ist aus dem Schulbus gestiegen, hat vorsichtig die Straße überquert und vor der Haustür auf mich gewartet. WO bitte ist denn da der Fehler, habe ich versucht ihn zu beruhigen.

 

 

Du hast alles richtig gemacht und ich bin so stolz auf Dich. 

 

Nachdem er bemerkte, dass ich natürlich nicht sauer auf ihn war und sowohl Oma und Opa als auch seine Lehrerin mehr als erleichtert waren, dass er zu Hause ist, wurde er allmählich ruhiger.

 

 

Wir haben dann noch länger zusammen gesessen, fest umschlungen und ich habe ihm immer und immer wieder gesagt wie toll er ist und selbst wenn er irgendwann einmal in seinem Leben einen Fehler machen sollte – was einfach dazu gehört im Leben – werde ich und auch Papa und ganz sicher auch Oma und Opa IMMER für ihn da sein.

 

 

Und Jetzt: Lächle :-). Alles ist gut.

 

Eure Alexandra

 

 

 

 

3 thoughts on “Natürlich darfst Du Fehler machen // DU bist toll so wie Du bist”

  1. Liebe Alex, ein ganz wundervoller und so wichtiger Beitrag! Den Umgang mit Fehlern erlebe ich – nicht nur bei Kindern – als einen wunden Punkt in unserer Gesellschaft. Ich finde auch im Umgang mit uns selbst sind wir hier oft sehr unnachsichtig. Deine Perspektive hat mich einmal wieder zum Nachdenken angeregt und deine unverkrampfte, zugewandte Art im Umgang mit Deinen Kindern inspiriert und motiviert mich sehr. Herzlichen Dank dafür und alles Liebe für Euch!

    1. Liebe Claudia,

      hab Dank für Deine herzlichen Worte. Das berührt und freut mich wirklich sehr.
      Wir geben uns immer die größte Mühe nicht nur einen besonders liebevollen Umgang mit den Kindern zu pflegen sondern ihnen auch auf Augenhöhe zu begegnen. Das schenkt ihnen nicht nur das nötige Selbstvertrauen sondern es macht sie den wundervollen Wesen, die sie sind.

      Einen schönen Start in die Woche morgen wünscht Dir,
      Alex

  2. Uhuhuhuuu, da Rinnen mir sofort Tränen die Wangen hinunter… Sonein grossartiger kleiner Kerl! Drück ihn von mir und sag‘ ihm, wie mutig ich es von ihm finde, mit so vielen Sorgen im Kopf allein nach Hause zu fahren bzw. zu laufen und dort zu warten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.