Kind Nr. 3

 

 

Weil ich an Theresas 4. Geburtstag so intensiv an unsere persönliche Geburtsreise denken musste, habe ich sie Euch heute einfach einmal aufgeschrieben. Vielleicht hilft es der ein oder anderen von Euch. Ich lese immer sehr gerne positive Geburtsberichte und bekomme regelmäßig Gänsehaut beim Gedanken an unsere vier Geburten.

 

 

 

Theresa ist an einem Freitag zur Welt gekommen. Mitten in der Nacht und ich kann mich noch gut erinnern, dass es ein schöner sonniger Tag war. Der genaue Eintrag auf der Geburtsurkunde lautet 03. Oktober 2014, 23:54 Uhr. Viel Zeit hatte ich nicht mehr bis Mitternacht, aber es sollte unbedingt noch an diesem Tag passieren. So lange habe ich darauf gewartet und ich war einfach zu erschöpft, um noch weitermachen zu können. Theresas Geburt war mit Abstand die anstrengendste Geburt für mich und auch wenn ich von Glück reden kann, dass ich alle meiner vier Geburten (wovon eine Geburt ein Kaiserschnitt war) in schöner Erinnerung habe und gewiss viele Frauen noch mehr kämpfen mussten als ich, für mich war es an diesem Tag einfach das Limit. Mehr ging nicht. Ich war am Ende meiner Kräfte.

 

 

Aber fangen wir vorne an.

 

 

Aufgrund (m)einer Bindegewebsschwäche und der äußerst nervigen Krampfader, die sich im linken Bein bereits im vierten Monat der Schwangerschaft immer stärker ausgeprägt hatte, wurde die Geburt stationär bereits am 01. Oktober 2014 eingeleitet. Der Termin war fix und ich konnte mich bereits lange darauf vorbereiten mit gepackter Tasche am 01. Oktober 2014 das Krankenhaus zu betreten. Auf der einen Seite war ich froh, da mich die Krampfader und das ständige Spritzen ins Bein doch sehr störte, auf der anderen Seite nimmt es doch ein wenig von dem Nervenkitzel, der sonst aufkommen würde, wenn man eben nicht genau weiß, wann es wirklich los geht. Am Morgen des 01.Oktobers 2014 war ich allerdings nicht alleine zu Hause. Der Große lag bei uns im Bett unter der Bettdecke und plagte sich mit einer starken Erkältung und Bronchitis. Da sein Zustand immer schlechter wurde und er sich sogar übergeben musste, bin ich mit ihm kurzerhand als Erstes zum Kinderarzt gefahren, der bei uns direkt am Krankenhaus in der Kinderklinik ist. Der Kinderarzt hat mir dann dazu geraten, ohne natürlich zu wissen, dass ich an diesem Tag ebenfalls einen Termin zur Einweisung auf die Wöchnerin-Station hatte, unseren Sohn direkt im Krankenhaus zu lassen, weil er bereits einen deutlichen Flüssigkeitsverlust aufwies. Das geht bei Kindern durch Schwitzen, Erbrechen und Infekt immer sehr schnell. Uff, in dem Moment war ich erst einmal geschockt, mit dieser Nachricht hatte ich nun gar nicht gerechnet. „Moment“, dachte ich. Das kann doch nicht wahr sein. Gerade heute, gerade jetzt. Trotzdem wollte ich natürlich, dass Maximilian so schnell wie möglich wieder gesund wird und stimmte sofort zu. Ich rief den Mann im Büro an, schilderte ihm die Situation und er ließ sofort alles stehen und liegen und kam zu uns ins Krankenhaus. Er ließ sich auch mit unserem Sohn zusammen in der Kinderklinik einweisen, ich ließ mich daraufhin nebenan im Krankenhaus einweisen und Charlotte kam direkt bei ihrer Oma unter. Mit dieser Situation musste ist erst einmal klar kommen. Denn natürlich, auch wenn man sich riesengroße Sorgen um das Kind macht und am liebsten selbst gerne mit dem Kind auf der Kinderstation liegen würde, hätte ich es mir irgendwie auch gewünscht, dass jemand an meiner Seite und bei mir ist. Nun war ich erst einmal „gefangen“ zwischen den Fluren. Ich lief von der 5 Etage zur Kinderstation und wieder zurück. So oft ich konnte. Dann stellte ich mich der ersten Einleitung, dem CTG, den ganzen Untersuchungen und lief ständig weiter zwischen Kreißsaal und Kinderklinik. Ich konnte mich einfach gar nicht so recht auf meine bevorstehende Geburt einstellen und die Geburt war bei mir gerade total in den Hintergrund geraten. Das zeigte sich natürlich auch direkt im CTG und am Muttermund. Nachdem ich Charlotte zwei Jahre zuvor nach zwei Einleitungen und einer geplatzten Fruchtblase innerhalb von 15 Minuten Presswehen in meinen Armen hielt, hatte ich offen gestanden mit einer ähnlichen Geschwindigkeit bei Theresa gerechnet. Die Hebamme ebenfalls und sie spaßte noch mit mir. Ob das nächste Mädchen wieder so rasant auf die Welt kommen würde. Mir wurde allerdings schnell klar, dass die Geburt wohl dieses Mal nicht ganz so leicht werden würde.

 

Am 2. Oktober hatte sich Peter bereits mit dem Infekt angesteckt und er kam mir immer schwächer vor. Kein Wunder, auch er hatte mittlerweile Fieber und gehörte ins Bett. Direkt neben unseren Sohn.

 

Die Hebamme fällte dann das Urteil: „Wenn das Fieber nicht sinkt, dann darf Ihr Mann aufgrund der Infektionsgefahr für den Säugling bei der Geburt nicht dabei sein.“ Meine Stimmung wurde immer „besser“. Ich fühlte mich selber nicht wirklich fit, auch ich hatte etwas in den Knochen und mit Sicht auf die bevorstehende Geburt, die ich vielleicht sogar alleine mit einer Hebamme an meiner Seite durchstehen musste, wurde mir ganz  anders. Das habe ich mir einfach alles ganz anders vorgestellt. Und die Einleitungen brachten schlussendlich auch nicht den Erfolg, den ich mir erhoffte.

 

Doch am Nachmittag immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer. Endlich der erhoffte Blasensprung, während ich auf dem Weg zur Kinderklinik war. Ich war ganz aufgeregt und lief direkt zurück zum Kreißsaal um auf Nummer Sicher zu gehen. Die Hebammen bestätigten mir mein Gefühl und meinten, dass es dann ja jetzt wohl losgehen kann. Voller neuen Mutes lief ich zu meiner Familie auf die Kinderstation. Dem Großen ging es zum Glück schon deutlich besser. Er hat viel getrunken und bekam Medikamente. Doch der Liebste sah gar nicht gut aus. In diesem Zustand würde er den Kreißsaal nicht betreten dürfen. Gut, dass Theresa sich noch etwas Zeit ließ……..

 

Auch die nächsten zwei Einleitungen am Abend des 2. Oktobers und Morgen des 3. Oktobers brachten nicht viel Änderung. Der Muttermund war ca. 3-4 cm geöffnet und Wehen kamen sehr unregelmäßig. Die meiste Zeit tigerte ich alleine über die Flure, bis es dem Liebsten am Nachmittag des 03. Oktobers endlich etwas besser ging. Das Fieber war gesunken und er hatte allmählich wieder etwas Farbe im Gesicht. Zu Hause bei Oma, Opa und Charlotte war auch alles prima. Die Oma hatte ihren 70. Geburtstag und sie warteten natürlich auch, dass endlich ihr 3. Enkelkind geboren wird.

 

 

Gegen frühen Abend spürte ich wie die Wehen stärker wurden, der Liebste stützte mich mittlerweile während unserer Spaziergänge über den Flur. Ich lief immer ganz viel. Weil mir das mehr brachte als auf dem Zimmer zu liegen und abzuwarten. Gegen 20 Uhr gingen wir wieder in den Kreißsaal und endlich ein Grinsen auf dem Gesicht der Hebamme. „Es wird. Der Muttermund ist bereits 7 cm geöffnet und Ihre Wehen kommen im regelmäßigen Abstand. Laufen Sie weiter.“ Gesagt getan. Wir liefen und liefen und liefen. Gegen 22 Uhr konnte ich einfach nicht mehr. Ich war das ewige Laufen leid und wollte jetzt endlich, dass die Geburt so richtig in Schwung kommt. Wir durften im Kreißsaal bleiben. Der Muttermund war annähernd vollständig geöffnet. Ich lehnte mich zurück auf den Geburtsstuhl und atmete. Doch ich spürte schnell, dass die Wehen einfach nicht so wollten wie ich. Rückblickend würde ich sagen, dass ich einfach zu „verkopft“ war. Für mich sollte es jetzt einfach losgehen, ich wollte die Geburt und dieses Baby so sehr und war schon so erschöpft. Der Oberarzt kam, er sah, dass es mir nicht gut ging und beschloss einen Wehentropf anzuschließen. Da hatte ich immer große Angst vor, weil ich schon zu oft gehört hatte, wie schlimm die Schmerzen durch Einleitung und Wehentropf sein mussten. Der Wehentropf tat im ersten Moment auch seine Wirkung. Die Wehen kamen, es war schmerzhaft, ich drückte meine linke Hand in die Hand des Liebsten und hielt sie so fest ich konnte. Ich hielt mich an die Anweisung der Hebamme und atmete. Der Tropf stand mittlerweile auf der höchsten Stufe. Mehr ging nicht. Und ich spürte wie Theresa immer weiter in den Geburtskanal hineinrutschte. Mein Mädchen kam und im Raum waren mittlerweile der Oberarzt, zwei Hebammen, der Mann und ich. Eine Hebamme drückte auf meinen Bauch, was ich ziemlich unangenehm fand und die andere Hebamme stand vor mir. „Pressen Sie einfach, ganz egal ob Sie eine Wehe haben oder nicht.

 

Der Oberarzt wollte die Zange holen. Ich sah es im Augenwinkel und bekam Panik. Theresa steckte mit ihrer Schulter quer im Geburtskanal und es ging kurze Zeit nicht weiter. Die Hebamme sah mich eindringlich an und schrie „Pressen Sie was das Zeug hält.“ Dabei half sie Theresa ein wenig unterstützend am Ende des Geburtskanals. Ich wollte auf gar keinen Fall diese Zange. Und dann war es sofort. Sie rutschte heraus und wurde mir direkt in die Arme gelegt. Was für ein Moment. Ich musste weinen vor Glück und habe gezittert am ganzen Körper. Meine Beine wollten einfach nicht mehr stillhalten. Sie zitterten so stark vor Erschöpfung und vor Glück. Peter und ich waren überglücklich und dankbar unser gesundes wunderschönes Mädchen in den Armen halten zu dürfen.

 

2 thoughts on “Theresa // Der Geburtsbericht”

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