Auch der Weiseste kann unermesslich viel von Kindern lernen. {Rudolf Steiner}

 

 

Regelmäßig erreichen mich sowohl per Email als auch über Instagram und Facebook so liebe Nachfragen, wie es uns denn nun auf der Waldorfschule gefällt. Ob wir immer noch glücklich sind mit dem Wechsel, was die Kinder sagen und vorallem was die Kinder im Unterricht so erleben und lernen. Darum möchte ich Euch heute gerne einen kleinen Einblick in den Alltag unserer Kinder an der Freien Waldorfschule geben.

 

Ich werde Euch berichten, was Charlotte bis jetzt in der 1. Klasse alles so erlebt und gelernt hat und wie der Schulstart in der 3. Klasse für den Großen war und was ihn noch so Tolles im 3. Schuljahr erwartet.

 

 

 

 

1. Klasse

Fangen wir vorne an. Der größte Unterschied, den ich bis jetzt bei Charlotte in der ersten Klasse zu einer ersten Klasse an der Regelschule bemerke ist, zum einen, dass die Erstklässler bis zu den Herbstferien, sozusagen als Eingewöhnung täglich nur bis 10 Uhr Schule haben (was in der Tat gar nicht so leicht zu organisieren ist, es sei denn man arbeitet nicht oder die Kinder sind in der Übermittags-Betreuung angemeldet – unsere Kinder sind es nicht.). Und zum Anderen hat Charlotte bis zum heutigen Tag weder lesen noch überhaupt irgendeinen Buchstaben, geschweige denn Zahlen und Rechnen gelernt.

 

Ob mich das nervös macht?

 

Ehrliche Antwort: Absolut GAR NICHT. Und warum nicht? Weil ich voll und ganz in die Waldorf-Pädagogik vertraue und weil ich weiß, dass Charlotte bis zum Ende des Schuljahres mindestens genauso gut Rechnen, Lesen und Schreiben gelernt hat, wie andere Kinder auf einer staatlichen Schule auch. Nur eben mithilfe eines anderen Konzepts. Aber was machen sie denn dann den ganzen Tag (im Grunde aktuell nur die 2 Stunden ;-)) in der Schule, mögt Ihr Euch jetzt fragen? Das kann ich Euch gerne erzählen. Der Tag beginnt für alle Klassen gleich. Die Lehrerin und die Klassenhelferin begrüßen gemeinsam mit den Kindern den Tag. Sie bilden einen Morgenkreis, singen und erzählen. Die Lehrerin erzählt jeden Tag ein Märchen (nicht immer das ganze Märchen, häufig geht es am darauffolgenden Tag weiter). Außerdem ist der Lehrerin Bewegung ziemlich wichtig. Bevor es an den eigentlichen Unterricht geht, dürfen die Kinder sich im Bewegungsraum frei entfalten. Unter Anleitung gibt es leichte Bewegungsspiele. Außerdem bereiten die Kinder gerade für die nächste Monatsfeier Anfang Oktober, die gleichzeitig auch das große Herbstfest an der Schule ist, eine eigene kleine Aufführung vor, bei der sie auf der Bühne sowohl ein eigenes kleines Stück als auch ein Lied vortragen werden.

 

Nach der Bewegung geht es zurück in den Klassenraum und die Kinder dürfen mit ihren Wachsmalblöcken (andere „Stifte“ kennen die Erstklässler bislang noch nicht) Formen und Farben nach Anleitung in ihr Heft übertragen. Fast täglich lernen die Kinder neue Formen in Vorbereitung auf die Buchstaben kennen, die sie nach den Herbstferien dann nach und nach erlernen werden.

 

 

 

 

Die Lehrerin gibt eine Aufgabe vor und die Kinder müssen diese sowohl im Unterricht als auch noch einmal zur Festigung zu Hause übertragen. Die Kinder haben (noch) zwei Hefte. Ein Heft für den Unterricht und ein Heft für die Schule. Die Hefte sind nicht liniert oder haben auch sonst keine Hilfslinien. Sie müssen später selbst lernen gerade zu schreiben. Zu Hause wird das Erlernte aus dem Unterricht dann noch einmal ordentlich ins Hausaufgabenheft übertragen.

 

Charlotte ist super gut angekommen an der Schule, in ihrer Klasse und im „Waldorf-Leben„. Und ich bin so gespannt wie es weitergehen wird. Die Kinder freuen sich jeden Tag nach dem Aufwachen auf die Schule und am Freitag, wenn ich Charlotte von der Schule abhole und sage, dass jetzt Wochenende ist, dann ist sie ganz geknickt, dass am nächsten Tag nicht wieder Schule ist. So soll es doch sein, oder? Ich werde Euch gerne weiter berichten, wie sich der Unterricht nach den Herbstferien fortsetzt und wie das Erlernen der Buchstaben und später das Lesen an unserer Waldorfschule gelehrt wird.

 

Das Rechnen spielt bislang noch gar keine Rolle in unserer 1. Klasse. Das hat aber den Grund, dass es an der Waldorfschule einen „Hauptunterricht“ gibt, der Lesen, Schreiben und auch Rechnen beinhaltet und einen Fachunterricht mit anderen Fächern wie Musik, Sport, Englisch, Russisch usw. Der Hauptunterricht wird jeweils in Epochen von 3-4 Wochen unterrichtet. Das bedeutet, dass die Kinder im 3-4 Wochen am Stück Sprache und danach dann Rechnen haben (auch ein Teil der Waldorf-Pädagogik und ein großer Unterschied zur staatlichen Schule).

 

 

3. Klasse

 

Maximilian hat nach den Sommerferien einen neuen Stundenplan bekommen. Auch er hat in der 3. Klasse noch die Unterscheidung zwischen Hauptunterricht, der von der Klassenlehrerin unterrichtet wird und Fachunterricht, der meist von Fachlehrern unterrichtet wird. In den ersten Woche hat Maximilian im Fachunterricht eine Sprachepoche, in der die Kinder das Thema „Schöpfung“ durchgenommen haben. Jede Epoche wird von einem extra Epochenheft begleitet, das die Kinder mit ihrem neu erlernten Wissen füllen und das später als wunderschöne Erinnerung an die bestimmten Epochen dient. Die Hefte werden von den Lehrern ausgeteilt, so dass alle Schüler auch die gleichen Ausgangsmöglchkeiten haben. Bereits im letzten Schuljahr haben alle Kinder der damals noch 2. Klasse den Füller-Führerschein bestanden, so dass jetzt in den Epochenheften sowohl mit Wachsmalern als auch mit dem Füller geschrieben wird.

 

 

 

 

Um die jeweilige Epoche noch mehr zu verinnerlichen malen die Kinder zusätzlich wunderschöne Bilder für ihre Epochenhefte, die sie dann dort einkleben können.

 

 

 

Die Schöpfungsepoche ist nun abgeschlossen und in dieser Woche beginnt eine neue Epoche. Die Handwerk-Epoche, in der die Kinder viele Handwerksberufe kennenlernen dürfen. Sie werden sowohl Besuch in der Klasse selbst bekommen als aber auch Handwerker in ihrem Gewerk direkt vor Ort besuchen gehen. So findet bspw. in der nächsten Woche ein Ausflug in die Backstube eines Bio-Bäckers in einer Nachbarstadt statt. Außerdem hat die Schule eine eigene Schmiede, der die Kinder einen ausgiebigen Besuch abstatten dürfen. Noch mit dabei in der Handwerk-Epoche sind die folgenden Berufe:

 

  • Schmied
  • Bäcker
  • Schreiner
  • Goldschmied
  • Uhrmacher
  • Optiker
  • Hörgeräte-Akkustiker
  • Fotograf
  • Maurer
  • Zimmermann

 

 

Neben dem praktischen Teil wird selbstverständlich der Fachunterricht weiter stattfinden. Die Kinder haben wie gewohnt Russisch, Englisch, Handarbeit, Eurythmie, Sport und Musik.

 

Gerade diese Mischung aus Praktischem und Theorie macht glaube ich ein Stück weit die Waldorf-Schule aus. Schule wird zu einem großen Erlebnis gemacht und die Kinder gehen jeden Tag gerne zur Schule, weil sie einfach neugierig sind. Schule ist eben nicht nur Frontalunterricht und auswendig lernen. Die Schule ist spannend und aufregend. Die Kinder lernen neben der Theorie eben auch ein Stück weit die Praxis und den respektvollen Umgang miteinander kennen.

 

Auch wenn der Bericht jetzt doch länger geworden ist, als ich es eigentlich wollte, war es nur ein klitzekleiner Einblick in die die große Welt der Waldorf-Pädagogik. Stellt mir gerne Eure Fragen und ich werde versuchen sie zu nach bestem Gewissen zu beantworten.

 

Alles Liebe,

Eure Alexandra

 

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