Auf dem Weg zum Schulbus haben wir gestern im Auto einen interessanten Beitrag zum Thema „Umgangston“ im Radio gehört. Nach dem Beitrag fragte mich der Große vom Rücksitz: „Mama, was heißt denn eigentlich Umgangston.

Tja, wie so oft, wenn aus dem Nichts Fragen unserer Kinder auf mich eingeprasselt kommen, habe ich erst einmal kurz nachgedacht, mögliche Antworten hin und her überlegt und dann nach ein paar Sekunden geantwortet, dass der Umgangston die Art und Weise, insbesondere die Stimmung und Lautstärke ist, wie wir miteinander sprechen und miteinander umgehen. Sei es in der Familie, auf der Straße, in der Schule, beim Einkaufen, beim Arzt, beim Frisör oder im Supermarkt. Der Umgangston ist schon eine wichtige Sache, habe ich gesagt. Denn lieb, freundlich und vor allem respektvoll miteinander „umgehen„, das ist heute leider nicht mehr selbstverständlich. Wie oft habe ich von meinen Eltern früher gehört:

„Der Ton macht die Musik.“

Und verdammt noch einmal JA, sie hatten doch sowas von recht.

Von unserer kleinen Unterhaltung im Auto nachhaltig beeindruckt, habe ich zu Hause weiter nachgedacht und ein bisschen recherchiert und überlegt was dieser Umgangston überhaupt alles für Auswirkungen und für Einflüsse auf uns hat.

Der Duden hat folgende Bedeutung für den Umgangston:

„Art, in der Mitglieder einer Gruppe miteinander sprechen.“

Da fiel mir direkt folgendes Beispiel ein, das mir letztens im Drogeriemarkt Wiederfahren ist.

Erst einmal vorab: Mein persönliches Motto von Hause aus ist

Freundlichkeit ist eine Sprache und ich spreche freundlich.

Das bedeutet, wenn ich irgendwo hinkomme, einen Laden betrete oder jemanden Bekanntes auf der Straße treffe, dann grüße ich selbstverständlich und ich sage mindestens Hallo und Guten Morgen. So auch an diesem Morgen im Drogeriemarkt. Ich betrat, zugegebenermaßen noch recht früh, aber das Geschäft hatte seit über einer halben Stunde auf, den Markt, sah zwei Verkäuferinnen tuschelnd in einer Ecke stehen und grüßte recht freundlich, wie immer eigentlich: Guten Morgen :-). Keep on smiling. So wie es in den Wald hereinschallt, so schallt es doch auch wieder raus (auch so ein Spruch meiner Eltern vor über 30 Jahren). Aber nix da. Kein Schallen, kein Lächeln, kein Guten Morgen. Nur verhaltene Blicke. Okay, kann ja mal passieren. Ich schlendere weiter durch den Markt, suche mir meine paar Dinge zusammen, die auf meinem kleinen verknitterten Einkaufszettel stehen, den ich zum Glück gerade noch hinten in meiner Hosentasche wiedergefunden habe und steuere noch fix den Fotodrucker an. Denn irgendwer hat ja irgendwann immer Geburtstag. Und so richtige Fotos finde ich persönlich noch am Schönsten. Darum stecke ich meinen USB-Stick in die dafür vorgesehene Öffnung, warte kurz bis der Bildschirm reagiert und klicke die Bilder an, die ich gerne ausdrucken möchte. Alles noch ganz entspannt, läuft…..der Drucker druckt und druckt und druckt und stoppt. Auch das ist, wer diese Fotodrucker im Drogeriemarkt kennt, nichts Ungewöhnliches.

Natürlich versuche ich als Kunde erst einmal mir selbst zu helfen, ist ja logo, unabhängig davon war auch niemand anderes in Sicht. Ich probiere alle mir bereits bekannten Tricks aus, die ich in der Vergangenheit bereits beim Verkaufspersonal abgeguckt habe. Aber nichts zu machen. Wenden Sie sich bitte an das Verkaufspersonal. Leichter gesagt als getan, ich hatte den Eindruck, in welcher Ecke ich auch gerade stand, das Verkaufspersonal stand in einer ganz anderen Ecke. Bloß nicht „entdeckt“ werden. Der Kunde könnte ja unangenehme Fragen stellen. Wie bei einer Schnitzeljagd laufe ich durch die Gänge des Ladens und stoße dann nach einer gefühlten Ewigkeit endlich auf das Verkaufspersonal. Und so ein Glück. Überraschung, direkt auf zwei Verkäuferinnen. Eben diese, die mir beim Betreten der Drogerie so „nett“ begegnet sind. Sie stehen immer noch in einer Ecke (immerhin ist es jetzt eine andere) und unterhalten sich. Also noch einmal, vielleicht haben Sie mein „Guten Morgen“ am Anfang ja einfach nicht gehört oder sie leiden unter einer „Sehschwäche“. „Guten Morgen, entschuldigen Sie bitte, aber dürfte ich Sie vielleicht kurz einmal stören.“ Welch unverschämte Frage eigentlich, wo sie sich doch gerade so angeregt unterhalten. Die beiden Ladies sehen kurz auf, geben mir durch Blicke zu verstehen: Moment noch, ja…? und reden einfach weiter. Dabei hatte ich doch extra schon eine kurze Gesprächspause abgewartet, um so wenig wie möglich unverschämt zu wirken. Ein paar Sekunden weiter, natürlich stand ich immer noch an Ort und Stelle, fragte mich eine der beiden Verkäuferinnen: „Ja. Was ist denn?“ Kein Guten Morgen oder „Entschuldigen Sie bitte, meine Kollegin musste sich gerade etwas von der Seele sprechen.“, wofür ich natürlich VOLLSTES Verständnis gezeigt hätte. JA. WAS IST DENN? Nach dieser „Ansage“ musste ich all meinen Mut zusammennehmen und ihr beichten, dass der Fotodrucker streikt. Ich vermute unter all den Fragen und Reklamationen sind diese Fotodrucker-Reklamationen die Unliebsten. Die beiden Damen sich an, als wollten sie sagen. Schon wieder jemand, der einfach mit dem Gerät nicht umgehen kann. Als Antwort bekomme ich nur: „Ja, ich komme gleich.

„Das ist lieb, vielen Dank.“ entgegne ich erleichtert. Denn sie hat mit mir gesprochen und ja, sie will gleich kommen. Ich tapere zurück an meinen Platz und warte noch geschlagene 10 Minuten. Natürlich habe ich in den 10 Minuten noch einmal alles gegeben und selber versucht den Fotodrucker wieder ans Laufen zu bekommen. Doch als nach 10 Minuten immer noch keiner kam, hatte ich die Nase voll, habe den Druck abgebrochen, die Bilder entnommen, die ich bereits hatte, bin zur Kasse gegangen, habe bezahlt und bin gegangen. Meine Laune war im Keller, meine Frustration groß, weil ich jetzt noch einmal woanders hinmusste, um die fehlenden Fotos auszudrucken und ganz ehrlich hatte ich auf einmal selbst keine Lust mehr irgendjemanden zu grüßen. Der Kunde ist eben nicht immer König.

Der gute Umgang ist eben auch eine gewisse Wertschätzung und Interesse am Gegenüber. Ein höflicher, respektvoller und freundlicher Umgangston ist für mich der Schlüssel zum Erfolg. Denn natürlich habe ich keine Lust mehr in ein Geschäft zu gehen, in dem ich mich nicht wohl und willkommen fühle.

Doch nicht nur ich habe dieses Beispiel für Euch zum Umgangston. Auch unsere Kinder hatten eben an diesem Mittag als sie aus der Schule nach Hause kamen ein perfekt passendes Beispiel für den „Umgangston„. Sie stehen jeden Mittag an der Bushaltestelle und warten auf ihren Bus, die Linie 2, die sie wieder nach Hause fährt. Und während sie da so warten müssen sie ständig die Reibereien der Busfahrer mit anhören, die ohne das ich sie persönlich kenne, definitiv auch keinen guten Umgangston miteinander haben. Sie rufen sich kein Hallo oder Guten Tag zu. Sie rufen „Ey Bauer, da stehste aber wieder sch…. mit dem einem Rad auf der Straße.“ Und das war jetzt noch harmlos. Unsere Kinder kamen schon mit Sprüchen nach Hause, da ist mir die Kinnlade runtergefallen. „Warum sprechen die Busfahrer so miteinander, Mama?“ „Ich mag das nicht.“ Und von Charlotte kam: „Das macht mir Angst.

Leider ist so ein Umgang heute nichts Außergewöhnliches mehr. Doch wo bitte soll das denn noch hinführen? Kinder, die kein freundliches Wort, ein liebes Hallo oder Auf Wiedersehen erfahren, können das doch auch nicht mehr weitergeben. Das ist eine Abwärtsspirale und die Social Media Kanäle tun wahrscheinlich ihr Übriges. Viele Menschen verspüren durch die Anonymität im Social Media Bereich, sei es auf Facebook oder auf Instagram gar keine Hemmschwelle mehr. Sie beleidigen schneller, sie greifen an und sie verletzen.

Und auch wenn ich diesen kleinen Radiobeitrag von gestern heute vielleicht ein bisschen zu aufbausche und überspitze.

Es bricht uns doch nun wirklich keinen Zacken aus der Krone unserem Gegenüber ein liebes Lächeln, ein freundliches Hallo und vielleicht sogar ein paar nette aufrichtige Worte zu schenken. Ich für meinen Teil freue mich immer riesig, wenn mir auch fremde Menschen respektvoll, aufrichtig und aufgeschlossen begegnen und genau das versuche ich auch unseren Kindern so weiterzugeben. Und jedes Mal, wenn ich sehe wie unsere Kinder das umsetzen, anderen Menschen begegnen, wie freundlich sie sind und wie sie Hallo und Auf Wiedersehen sagen, macht mich das stolz und glücklich.

Das Leben ist wie ein Spiegel, lächelt man hinein, lächelt es zurück.

Eure Alexandra

2 thoughts on “Wer genau ist dieser „Umgangston“ und was macht er mit uns?”

  1. Ja, ich seh das auch so. Ich habe irgendwann für mich selbst beschlossen, dass ich anderen Menschen freundlich gegenüber treten möchte. Ich lächle auf der Straße Fremde an und bekomme oft ein Lächeln zurück. Ich sehe oft, dass die Kleinste mich imitiert und es ebenso macht. Die Großen waren auch mal so, bei denen ist das freundliche Verhalten grad verschwunden (ich glaube fest daran, dass es nach der Pupertät wieder kommt).
    In unserer Familie ist besagter Umgangston dagegen gerade nicht so gut. Ich weiß das und wir arbeiten dran. Ist gar nicht so leicht, da momentan so viel gleichzeitig stattfindet und unheimlich viel Stress, Ängste, Ärger, Unsicherheit, Aggression und Unzufriedenheit produziert.
    LG von TAC

    1. Liebe TAC,

      ich bin mir ganz sicher, dass sich auch bei Euch zu Hause der Umgangston wieder „normalisiert“. Was glaubst Du, das ist ja manchmal selbst bei unseren noch nicht pubertierenden Kindern unterirdisch ;-). Wichtig ist, dass wir als gutes Beispiel voran gehen und zumindest versuchen freundlich zu bleiben (auch wenn es manchmal wirklich nicht leicht fällt, ich weiß…).

      Fühl Dich mal gedrückt,
      Deine Alexandra

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