Was für ein Glück, dass ich so tolle Kinder habe. Zwar habe ich im ersten Moment geschluckt, als eine Erzieherin aus unserem Kindergarten die beiden Großen Anfang des Jahres fragte, ob sie mit ihr und vielen anderen Kindern und Betreuern zusammen die erste Ferienwoche in einem alten Kloster verbringen möchten. Zelten. „Der Klostergarten bietet reichlich Platz und wir haben jedes Jahr eine Menge Spaß zusammen.“ „Na klar„, antworteten beide direkt und schon waren wir drin im ersten Urlaub ohne den Rest der Familie. Seit ein paar Tagen sind unsere beiden Ferienkinder zurück aus ihrem ersten „Allein“-Urlaub. Und ich war so gespannt. Haben sie sich verändert? Wollen sie überhaupt wieder mit nach Hause oder fallen sie mir direkt um den Hals und wollen sofort weg?

Sie sind gewachsen und damit meine ich nicht ihre Körpergröße. Doch auf ganz verschiedene Art und Weise. Charlotte z.B. hat es so gut gefallen, dass sie abends im Bett lag und geweint hat. Sie vermisst ihr Zelt. Sie möchte wieder draußen im Zelt schlafen mit den anderen Mädels. Im ersten Moment war ich wie ins Gesicht geschlagen und ehrlich gesagt auch ein bisschen beleidigt. Hallo? Freut sie sich denn gar nicht, das sie wieder zu Hause ist? Aber nächsten Moment habe ich diesen unsinnigen egoistischen Gedanken aber beiseite geschoben. Natürlich freut sie sich auch wieder zu Hause zu sein. Sie wäre einfach nur gerne noch etwas geblieben. Sie wollte ihre Unabhängigkeit und Selbständigkeit noch ein paar Tage länger genießen. Und genauso habe ich es doch auch bei ihr vermutet. Nicht einen Gedanken habe ich daran verschwendet, dass sie Heimweh bekommen könnte. Nicht Charlotte. Sie ist ein Freigeist, am liebsten immer unterwegs und neugierig ohne Ende. Sie ist mutig, ich wüsste nichts was ihr Angst macht (außer Wespen vielleicht ;-)). Ich bewundere sie und bin mächtig stolz so eine tolle Tochter zu haben.

Der Große war ebenfalls glücklich über die Zeit, über die neuen Menschen, die er kennenlernen durfte und die spirituellen Möglichkeiten, die die Kinder im Kloster erhalten haben. Er ist anders als seine Schwester. „Es war gut, aber ich freue mich jetzt auf zu Hause.“ Auch das habe ich so vermutet. Heimweh gab es auch bei ihm nicht, aber er hat sein zu Hause, seine feste Basis, seine Geschwister, die Routine und auch uns vermisst. Er braucht Festigkeit, Bestand und gleiche Abläufe. Ihn interessierten mehr die Sportangebote und die Nähe zu Jesus.

„Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen“

(Matthäus 5,8)

Wieder zu Hause angekommen habe ich beide getrennt voneinander befragt, wie sie die Zeit alleine im Feriencamp empfunden haben. Sie sollten mir beide jeweils 3 TOPS und 3 FLOPS mitteilen. Und auch ich habe mir ein paar Gedanken gemacht und sowohl 3 TOPS als auch 3 FLOPS für 1 Woche ohne meine beiden großen Kinder überlegt.

TOP 3 vom großen Mädchen

  1. ich habe neue Freunde gefunden
  2. meine Betreuer
  3. gemeinsames Schwimmen

FLOP 3 vom großen Mädchen

  1. manchmal wurde ich ausgeschlossen von meinen Freundinnen
  2. die Lautstärke
  3. das Laufen bei der Wanderung war anstrengend

TOP 3 vom großen Jungen

  1. Fußball spielen auf dem Platz
  2. Volleyball spielen
  3. Lagerfeuer

Flop 3 vom großen Jungen

  1. Mama und Papa vermisst
  2. es war so warm im Zelt
  3. das Essen manchmal

TOP 3 von mir als Mama

  1. es war leiser
  2. es gab weniger Streit
  3. die unbändig große Freude am Ende der Urlaubswoche auf das Wiedersehen

FLOP 3 von mir als Mama

  1. ich musste ständig an die beiden denken, morgens, mittags, abends, nachts
  2. ganz große Vermissung
  3. es war nicht halb so lustig wie sonst

Erzählt doch gerne mal. Waren Eure Kinder schon einmal alleine unterwegs? Wenn ja mit welchem Alter und wie habt Ihr die Zeit empfunden?

Eure Alexandra

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