Ab und zu werde ich gefragt, ob unsere vier Kinder sich nicht nur äußerlich ähnlich, denn das tun sie, sondern auch von innen heraus. Auf diese Frage eine „richtige“ Antwort zu geben fällt mir schwer, denn unsere Kinder, so auch wir, sind alle verschiedene Individuen, wenn auch mit uns als Eltern, aber sie haben alle vier ihren eigenen Willen und Charakter. Und das ist auch gut so. Kein Mensch gleicht dem Anderen. Jeder Mensch ist einzigartig für sich.

Natürlich merken wir hier und da, dass gewisse Eigenschaften, insbesondere z.B. das „Helfersyndrom„, so wie ich es gerne nenne, bei allen Vieren, stark ausgeprägt ist, aber ich denke, dass bringt das Leben in einer Großfamilie einfach mit sich. Wird Hilfe benötigt, ist einer von uns zur Stelle.

Wenn allerdings unsere Kinder gefragt werden, dann werden sie wohl ehrlich antworten, dass unsere kleine Theresa vielleicht doch an manchen Stellen (noch) etwas anders ist, als sie selbst. Kinder sind immer ehrlich und gerade die beiden Großen sind des Öfteren ein wenig „genervt“ von ihrer kleinen Schwester. Warum sie so ist wie sie ist, kann ich tatsächlich nicht einschätzen. Wir behandeln unsere Kinder natürlich alle gleich und jedes Kind bekommt so viel Liebe von uns, wie es nur eben geht und noch mehr. Aber bei Theresa habe ich häufig einfach das Gefühl Ihr gar nicht genug Liebe geben zu können. Sie braucht uns so sehr und ja, für ihre Geschwister ist sie (leider) oft auch mal „nervig“, weil sie eben sehr viel Aufmerksamkeit benötigt und das darf aber auch so sein. Auch Kinder müssen lernen, dass alle anders sind und nicht jeder Mensch gleich ist.

Erziehung ist Beispiel und Liebe, sonst nichts. {Friedrich Fröbel}

Ich glaube aber, dass sich unsere kleine Zaubermaus genau uns als Familie ausgesucht hat, weil sie wusste, dass wir sie verstehen und sie in schweren Situationen über ihre Marotten und Wut „hinweg tragen“ können. Ihr Wille ist unglaublich stark und das führt leider häufig dazu, dass sie sich in eine Wutspirale hinein katapultiert und am Ende schwer wieder alleine heraus findet. Das fängt morgens beim Aufstehen an und hört abends bei der Gute-Nacht-Geschichte auf.

Rituale und gewohnte Verhalten werden in unserer Familie ganz bewusst eingesetzt, weil sie den Kindern Sicherheit vermitteln. Wir sind für Euch da und das sind wir jeden Tag, rund um die Uhr. An anderer Stelle berichtete ich bereits von unseren Alltagsritualen (klick) zum Aufstehen (klick) und auch zum Ins-Bett-Gehen. Rituale stärken unsere Kinder und geben ihnen ein gutes Gefühl der Sicherheit.

Wenn sich Kinder allerdings selbst Rituale und Gewohntenheiten aneignen, kann das häufig schon einmal bei uns Erwachsenen dazu führen, dass wir das Gefühl haben, es handelt sich um beginnende Zwangsneurose. Doch ich kann Euch beruhigen. Im Regelfall handelt es sich bei Kindern lediglich um Spielereien oder vielleicht um Marotten. Sie denken sich nicht viel dabei. Und solange das Kind glücklich und aufgeweckt ist und das kann ich von unserer Theresa zu 100 Prozent bestätigen, ist doch alles gut.

Nur als Beispiel möchte ich Euch von unserem „Verabschiedungsritual“ im Kindergarten erzählen. Schon ganz ganz lange läuft unsere Verabschiedung jeden Morgen ganz genau gleich ab. Da geht auch nichts zwischen. Nachdem ich Johann in seine U3-Gruppe gebracht habe, gehe ich noch einmal zu Theresa in die Gruppe, sage allen Erziehern und Kindern Guten Morgen und Theresa bringt mich noch zur Tür. Dort werde ich gleich doppelt verabschiedet. Sie „schubst“ mich einmal raus, gibt mir ein Küsschen und dann muss ich wieder reinkommen und sie schubst mich noch einmal hinaus und gibt mir noch ein Küsschen an genau die gleiche Stelle. Dann sagt sie aus Spaß: „Bis morgen.“ – natürlich komme ich am Mittag zurück. Klingt total schräg, sieht wahrscheinlich auch total schräg aus, aber da darf einfach nichts zwischen gehen. Dieses Ritual gibt Ihr Sicherheit. Sie weiß, ich komme am Mittag wieder zurück und hole sie ab.

Alles passiert aus einem ganz bestimmten Grund und auch Theresa wird ihre Gründe haben, warum sie des Öfteren so verrückte Dinge macht. Dessen bin ich mir sicher. Und ich lasse sie gewähren. Ich „spiele“ ihr Spiel mit und lasse sie auf diese Weise wissen, dass sie genau richtig ist, so wie sie ist. Alles ist gut und ich bin immer für sie da.

Theresa ist ein ziemlich „nervöser Typ“ und ja auch ständig müde. Ich kenne kein Kind, das so viel gähnt wie sie. Und wenn ich sie so sehe, gähnend und ich weiß wie anstrengend das alles für sie sein muss, dann nehme ich sie einfach in den Arm und sage ihr wie lieb ich sie habe. Ich sage ihr, dass sie ein tolles Kind ist und ich ganz stolz auf sie bin. Das Schlimmste was wir als Eltern in so einer Situation doch tun können, wenn Kinder sich nicht so verhalten wie wir es gerne hätte, ist zu schimpfen, denn Kinder können nicht raus aus der Situation. Sie sind dem Schimpfen ausgesetzt und das erscheint Kindern häufig ausweglos. Wir Erwachsenen haben es da doch viel leichter. Wenn mir etwas nicht passt, dann gehe ich halt. Raus, einfach weg. „Das muss ich mir doch nicht anhören.„. Richtig. Und Kinder müssen sich das auch nicht anhören.

Man kann in Kinder nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln. {Astrid Lindgren}


Theresa schläft nicht durch, sie wacht häufig auf in der Nacht, benötigt Zuwendung und eine Schulter zum Ankuscheln. Ohne, dass ich es merke, schlüpft ihre große Schwester Charlotte dann ganz oft in Theresas Bettchen und legt sich ganz nah an sie heran, damit sie weiterschlafen kann. Diese Eigenschaft von Charlotte ist so wundervoll und gibt mir als Mama unserer Kinder immer wieder das Gefühl unglaublich tolle Kinder zu haben, die zusammenhalten, wenn es drauf ankommt. Sie legt den Arm um ihre kleine Schwester und bringt sie wieder zum Schlafen.

Eine Schwester ist das Stück Kindheit, das für immer bleibt.

Ich glaube, die Antwort auf all unsere Fragen ist immer wieder „Liebe“ und ich bin der festen Überzeugung, dass wir nicht genug Liebe und Zuneigung ausschütten können, um solchen kleinen Zauberwesen den Tag zu versüßen.

Eure Alexandra

3 thoughts on “Mein Glückskind // Bedingungslose Liebe”

  1. Ich erkenne unseren Nachzügler wieder. Er ist jetzt schon 12, aber genau wie Theresa war ersehr an Ritualen gebunden, da durfte nichts anders sein. Er stellte seinen Kinderstuhl z.Bsp. immer an die gleiche Stelle, wehe das ging nicht. Meine Eltern und meine Schwester, meine Schwiemu haben es nie verstanden, warum er kurz vor dem Kollaps war, wenn es nicht ging. Warum muss ich dann als Erwachsener auf mein Recht beharren? Was vergebe ich mir , mich wo anders hinzusetzen? Es hieß dann immer er ist verwöhnt. Seine großen Geschwister (sie sind 10 und 8 Jahre älter) waren/sind auch oft von ihm genervt. Ja, auch wir Eltern sind genervt, aber er ist ein ganz sensibler Junge und , wenn jemand Hilfe braucht ist er da. Das mit dem Stuhl hat sich von alleine gegeben 😀

  2. Liebe Alexandra,
    sehr rührend was du zu eurer Theresa schreibst ! In eurer wunderbaren Grossfamilie wird sie sicher zu einem grossartigen Menschen heranwachsen 🙂 .
    Unsere 3. ( heute 23 Jahre ) war auch immer das ENFANT TERRIBLE und ist heute mit die selbst bewussteste von allen Vieren.
    Der 2. war UNSER SOZIALER und die 4. UNSER ALLER SONNENSCHEIN.
    Wir haben immer gemerkt, das die Kinder sich eine Rolle innerhalb der Familie suchen, die noch nicht besetzt ist . Das trifft auch später für die Pubertät zu … 🙂

    Also macht weiter so und seid herzlich aus dem tief verschneiten München gegrüsst

    1. Liebe Philippa,

      danke für Deine tollen Worte und Deiner ganz eigenen Geschichte zu Eurer Dritten ;-). Ich freue mich immer riesig auch mal was aus anderen Familien zu hören.

      Herzliche Grüße aus dem Ruhrgebiet sendet,
      Alexandra

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